Ein Prozess, den niemand sieht oder spürt, den niemand wahrnimmt, der aber die gesamte Menschheit betrifft, ohne Unterschied von Rasse, Glauben, Kultur oder sozialer Stellung, ist seit einigen Jahren auf der Erde im Gange. Er wird „Verhärtung“ genannt.

Die Verhärtung aller Aspekte des menschlichen Lebens ist eine Folge der freiwilligen und kontinuierlichen Abkehr der Menschen vom Einfluss höherer Ebenen, wo alles in ständiger Bewegung ist und innerhalb der Gesetze schwingt, die die Schöpfung regieren.

Die Verhärtung zieht alles nach unten und führt zur Abkühlung und zum allmählichen Verfall dessen, was einst wärmer und dynamischer war. Sie bewirkt eine fortschreitende Entfremdung vom Niedergang alter Sitten, eine Verhärtung der Realitätswahrnehmung. So werden viele Dinge, die noch vor Kurzem Ekel und Abscheu hervorriefen, plötzlich als völlig normal, ja sogar als erwünscht angesehen.

Was einst unmoralisch war, ist heute die Moderne. Was einst fesselnder Idealismus war, ist zu einer hasserfüllten Revolte geworden. Was einst Quelle des Respekts und der Achtung war, ist heute nur noch ein Witz und ein Anlass für Spott. Einst gepriesene Tugenden werden nun verhöhnt. Falschheit ist zur Authentizität geworden, und Lügen zur Wahrheit.

In unserer Zeit gilt Ehebruch als freie Liebe, Korruption als Einfallsreichtum, Sinnlichkeit als Schönheit, Diebstahl als finanzielle Kreativität, Müll als Kunst, Lärm als Musik. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Und dabei betrachten wir nur die wichtigsten Aspekte der Gesellschaft als Ganzes, denn diese Verhärtung der Gesellschaft durchdringt alles, selbst die kleinsten Handlungen und Worte jedes Einzelnen.

Es ist, als würde die gesamte Menschheit unbemerkt langsam durch einen gigantischen Abwasserkanal gespült. Und genau das ist das Beängstigendste. Da wir alle in diesen kolossalen, alles verschlingenden Verhärtungsprozess eingebunden sind, bemerkt niemand, oder fast niemand, den allgemeinen Zusammenbruch.

Wenn nicht einmal Licht den Schwarzen Löchern des Universums entkommen kann, dann können nicht einmal Gedanken dem Schwarzen Loch der Verhärtung entkommen.

Roberto C. P. Junior (instagram.com/calvache/)

Der Tag Ohne Morgen