Es ist normal, daß die Seele eines Menschen nach dem physischen Tod vom Strom der Styx angezogen wird und, dem Gesetz der Gleichart folgend, genau an ihren Ort in der sogenannten anderen Welt gelangt. Oftmals jedoch gelingt es der Seele aufgrund ihres starken inneren Willens, sich dem Einfluß der Styx zu entziehen. Dies geschieht beispielsweise, wenn sie sich nicht von einem ihr nahestehenden Menschen lösen kann, der noch auf der Erde lebt oder wenn sie anderweitig an etwas Irdisches gebunden ist.

Wenn die Seele einen so starken Willen besitzt und sie sich von der Anziehungskraft der Styx und ihrem Fluß befreien kann, verweilt sie im Astralraum nahe der Erde. Dort ist sie aus freiem Willen zahlreichen Einflüssen ausgesetzt, da dieser Astralraum der irdischen Welt ähnelt. Die Seelen unterscheiden sich in ihrer Reife und ihrem Verhalten zueinander. Trotz ihrer Verschiedenheit verweilen sie in der Nähe der Erde, da sie durch etwas mit unserer irdischen Welt oder mit etwas, das von ihr stammt, verbunden sind.

Trotz ihrer Verschiedenheit sind sie daher gemeinsame Bewohner der Astralwelt, und ihre Einwirkung aufeinander ist durch die größere engere Nähe dadurch viel ungebremster. Dies liegt daran, daß die Grenzen des physischen Körpers und damit der gegenseitige Respekt und die Distanz, die das Leben auf der Erde bietet, aufgehoben sind. Daher sind die gegenseitigen Einflüsse der Seelen stärker, unmittelbarer und oft viel schädlicher.

Der Schutz des physischen Körpers ist dahin, und der feinfühligere Schleier des Astralkörpers erlebt alles, was hier, in diesem Bereich des unmittelbaren Daseins nach dem Ablegen des irdischen Körpers, geschieht, viel intensiver – sei es etwas Reines oder etwas Dunkles.

Viele Seelen, die hier aufgrund ihres eigenen Schmerzes oder des Schmerzes ihrer Angehörigen über deren Abschied von der Erde verweilen, leiden unter den Einflüssen ihrer Umgebung, die man oft buchstäblich als Fegefeuer bezeichnen kann.

Doch selbst darin liegt die höchste Gerechtigkeit, denn die Seelen verweilen aus freiem Willen hier, aufgrund ihrer Bindung an Irdisches. Und dies, obwohl unmittelbar nach ihrem Verlassen des irdischen Körpers der helfende Strom der edlen Dienerin Styx ihnen nahe war, um sie zu den Orten zu tragen, wo ihre Seelenwurzel liegt.

Doch ihr eigener Wille unterdrückte das natürliche Wirken des gnädigen Stroms der Wesenhaften Styx. Indem sie ihn für eine gewisse Zeit – die auch länger dauern kann – ablehnten, gaben diese Seelen die Möglichkeit, Orte in lichteren Bereichen in den feineren Ebenen zu betreten, auf.

Dieser Strom wird sich der Seele nur dann wieder nähern, wenn ein inniger Ruf erklingt, der den starken Wunsch beinhaltet, die astrale Welt der Erde zu verlassen und den Entwicklungsweg in der Schöpfung fortzusetzen. Dieser Ruf muß innig sein, um den Weg zum Strom der Wesenhaften Styx, die sich inzwischen entfernt hat, zu durchbrechen. Die reinen Worte nahestehender Seelen, die für die betreffende Person beten, sei es auf der Erde oder auf anderen Ebenen der Schöpfung, können dabei helfen.

Dasselbe gilt für die Zeiten großer Geschehen in der Schöpfung, in denen hier die Gnade gereicht wird, die astrale Welt der Seelen in der Nähe der Erde verlassen zu dürfen. Dies sind regelmäßig wiederkehrende, bedeutsame Momente, wie der jährliche Einstrom der Kraft des Heiligen Geistes in die Schöpfung am Ende des Monats Mai, der Einstrom der Strahlen der Liebe des Schöpfers in die Schöpfung während der Weihnachtszeit sowie die Herabkunft des Stromes der Reinheit des Allerhöchsten zu Anfang des Monats September.

Dann nähert sich der Strom der Wesenhaften Styx den Seelen, die in ihrer Anhaftung an das Irdische vergessen haben, ihren weiteren geistigen Weg zu beschreiten. In diesen Augenblicken öffnen sich in der Astralwelt die Himmel im wahrsten Sinne des Wortes. Und der Wesenhaften Styx ist für eine gewisse Zeit möglich, die erwachten Seelen gnädig zu den Orten zu geleiten, die sie gemäß dem großen Gesetz der Ähnlichkeit erwarten.

Als ernsthafte Warnung sei in diesem Zusammenhang betont, daß es gerade die Klage und der unkontrollierte Schmerz der Hinterbliebenen sind, die die Seele von ihrem natürlichen Weg abbringen und so den Eintritt eines geliebten Menschen in Bereiche verhindern können, in denen er freier und freudevoller wäre.

Die Trauer der Hinterbliebenen, die man in gewisser Weise durchaus als egoistisch bezeichnen kann, hält viele Seelen an die Erde gebunden. Sie verzichten daher freiwillig auf den natürlichen Eintritt in den Strom der Wesenhaften Styx, der ihnen nach ihrem Übergang in die andere Welt offensteht. Und all dies nur, um denen nahe zu bleiben, die um ihren irdischen Tod trauern. Zurückgehalten von der übermäßigen Trauer der Hinterbliebenen, vergißt sich die Seele buchstäblich in der Astralwelt und muß dann eine Zeitlang in deren Dunkelheit umherirren, denn nur so kann sie den Trauernden nahe sein.

Und wenn sie selbst einer der höheren Ebenen angehörte, die sie erwartete, bleibt die Seele auf der Erde und setzt sich – nur um ihrer Lieben willen – den Einflüssen vieler unreiner Seelen aus, die durch ihre Schwächen und Leidenschaften an diese Erde gebunden sind. Diese haben die Befriedigung dieser Leidenschaften teilweise durch den Verlust ihrer irdischen Körper verloren, kompensieren dies jedoch, indem sie sich den Erfahrungen und Erlebnissen innerlich unreiner Menschen auf der Erde anschließen und davon zehren. Viele reinere Seelen erleben daraufhin einen Zustand des Entsetzens angesichts dieses höllischen Wahnsinns in der astralen Welt, an dem sie in gewissem Maße teilhaben müssen.

Wenn die Menschen auf der Erde nur ein wenig reiner lebten, würde ein Großteil dieses Übels rasch aus der Astralwelt verschwinden, da den dunklen und leidenschaftsabhängigen Seelen die Bindung an die irdische Gleichart fehlte. Ihr einziges Verlangen wäre dann, schnell Ebenen in den Tiefen zu erreichen, die ihrer Seelenähnlichkeit besser entsprächen. Sie würden sich dann in den Strom der Dienerin Styx stürzen und an Orte getragen werden, von denen aus sie keinen Einfluß mehr auf die irdische Welt der Menschen ausüben könnten. Auf diese Weise würde die Astralwelt von der Niedertracht und der gegenwärtigen Dunkelheit befreit, die sie wie ein trüber, gelber Nebel durchdringt und seit Jahrtausenden belastet.

Cesta Pravdy / Weg zur Wahrheit