Jahrtausendelang lebte die Menschheit unter dem Wirken einer vollkommenen und geduldigen Gerechtigkeit, in der sich das Verhältnis von Ursache und Wirkung in langen Zyklen manifestierte. Jeder menschliche Gedanke, jedes Wort und jede Tat entfesselte Kräfte, die zu gegebener Zeit zu ihrem Urheber zurückkehrten. Diese Zeitspanne zwischen Saat und Ernte war kein Mangel, sondern Ausdruck der Gnade Gottes: Sie gab der Menschheit die Möglichkeit zu reifen, zu lernen und sich selbst zu korrigieren, ohne von ihren eigenen Unvollkommenheiten erdrückt zu werden.

Auf materieller Ebene war diese Verzögerung ein wahrer Segen. Sie ermöglichte es der noch unreifen Menschheit, die Folgen ihres Handelns allmählich zu erkennen und sich durch Erfahrung mit den Gesetzen der Schöpfung in Einklang zu bringen. Das Ziel war stets klar: die Menschheit zu Bewusstsein, Verantwortung und geistiger sowie moralischer Reife zu führen.

Diese Geduld wurde jedoch missverstanden. Der lange Zeitraum, den die Gerechtigkeit gewährte, wurde als fehlende Reaktion interpretiert. Viele handelten daraufhin, als gäbe es keine Konsequenzen, und ersetzten geistige Sensibilität durch Materialismus und berechnendes Denken. Diese Abkehr vom Wesentlichen spann allmählich ein Netz aus Ungleichgewichten, Leid und Konflikten, dessen Auswirkungen letztlich die Menschheit selbst gefangen hielten.

Da viele den wahren Ursprung ihres Leidens nicht erkennen konnten, begannen sie, die Existenz des Schöpfers und die Gültigkeit seiner Gesetze in Frage zu stellen. Doch nichts, was Menschen erfahren, geschieht zufällig. Die göttliche Gerechtigkeit bestraft und belohnt nicht willkürlich, sondern handelt streng und präzise. Jeder Schmerz und jeder Segen sind direkte Spiegelbilder dessen, was in Absicht, Gefühl oder Handlung seinen Ursprung hat.

Heute erreicht die Menschheit einen Wendepunkt. Unter dem Einfluss des Lichts und des göttlichen Willens verkürzt sich der Zeitraum zwischen Ursache und Wirkung drastisch. Was einst über viele Leben hinweg zurückkehrte, manifestiert sich nun schnell und unausweichlich. Dies ist die Zeit des Gerichts, nicht als Strafe, sondern als Offenbarung und Ernte. Nichts wird aufgezwungen; alles wird einfach offenbart.

Für viele mag dieser Prozess hart erscheinen, da die Auswirkungen plötzlich und heftig eintreten. Doch nichts als das, was entstanden ist, kehrt zurück. Das Gericht verurteilt nicht, es deckt auf. Es enthüllt das Verborgene und gibt jedem, was ihm zusteht. Die Wahrheit wird unmittelbar, klar und unausweichlich.

In dieser neuen Ära bleibt nur eine Wahl: die bewusste innere Transformation. Sich zu wandeln bedeutet, Gedanken, Worte und Taten mit Frieden, Rechtschaffenheit und Verantwortung in Einklang zu bringen. Bewusstes Denken, differenziertes Sprechen und rechtschaffenes Handeln sind keine abstrakten Ideale mehr, sondern werden zu praktischen Lebensanforderungen.

Diese Übung beginnt beratschlagend, wandelt sich aber mit der Zeit in natürliche Wahrnehmung, klare Intuition und erwachte Sensibilität. Sie ist der Weg zur Harmonie inmitten der zunehmenden Lichtintensität. Nur wer im Einklang mit den ewigen Gesetzen, mit Wahrheit, Reinheit und aktiver Liebe lebt, wird erhalten bleiben, wenn die Ernte eingebracht ist.

Die Zeit des Wartens ist vorbei. Die Zeit der Offenbarung beginnt. Was einst langsam zurückkehrte, manifestiert sich nun rasch. Was aufgeschoben werden konnte, erfordert nun eine Entscheidung, fast augenblicklich.

Das Licht urteilt nicht:

Es offenbart. Und wer sich ihm anschließt, findet Freiheit, Ausgeglichenheit und dauerhaften Frieden – den Frieden dessen, der endlich im Einklang mit dem Willen des Schöpfers lebt.

Alberto Santana