
Wenn wir sagen, daß Worte ein Eigenleben zu führen scheinen, haben wir in gewisser Weise recht. Sie sind die Signatur, die unsere Absichten und Intuitionen in der Welt hinterlassen, der Ausdruck unserer innersten Wünsche in der physischen Welt und auch in feinerstofflichen Realitäten.
Doch … was steckt in einer Absicht, bevor sie zu Worten wird? Worte sind Spiegelbilder der Seele, und ob schön oder nicht, sie offenbaren, was tief in uns schlummert, genährt und danach dürstet, ans Licht zu kommen.
Wie jemand, der Samen ausstreut, haben wir die Macht, unsere Absichten durch Worte in die Herzen anderer zu tragen.
Gute, aufrichtige Worte sind Samen des Guten mit eigener Kraft, die unseren Mitmenschen helfen, ihre Fähigkeiten zu entfalten und als Katalysatoren für das Erreichen höherer Ziele dienen. Sie inspirieren und festigen unseren Weg, wenn der Horizont des Lebens zu verblassen scheint.
Sprache ist nicht bloß eine logische Aneinanderreihung von Sätzen, sondern vor allem das Ergebnis von Absichten, die wahr oder falsch sein können.
Das Gute, das gesät wird, kehrt durch das unabdingbare Gesetz der Wechselwirkung jedoch stets zu seinem Sämann zurück.
So erhalten wir immer zurück, was wir mit unseren Worten säen. Sind es gute Samen, werden wir im Garten der Schwingungen, den wir um uns herum pflegen und den jeder von uns besitzt, mit Segen überschüttet. Sind es aber schlechte …
Darin liegt die Magie der Kunst des Wortes. Sorgfältig gewählte Sprache spiegelt unsere eigenen Absichten wider, die sie formen und entwickeln. Wer jedoch unbedacht spricht, stiftet Verwirrung.
Lügen, Halbwahrheiten, Klatsch, gebrochene Versprechen, Schmeicheleien und leeres Gerede sind Beispiele für den Mißbrauch von Worten.
All dies ruft unweigerlich Groll und Verwirrung hervor und trübt den schönsten Aspekt des schöpferischen Prinzips, das einer Absicht Form verleiht und sie durch Sprache greifbar macht.
Solche Worte bringen dem Sprecher nur Leid über Leid zurück, und deshalb heißt es treffend: Wohlüberlegtes Schweigen ist besser als gedankenlose Worte.
Wie sähe die Welt aus, wenn die Menschen nur dann sprächen, wenn Worte heilsamer und schöner wären als Schweigen?
Wenn jedes einzelne Wort mit der Sorgfalt verwendet würde, die man einem kostbaren und wertvollen Gegenstand entgegenbringt?
Wenn die ätherische Schwingung, die wir Sprache nennen, nur den Ausdruck edler, intuitiver Empfindungen widerspiegelte?
Wenn gesprochene Worte nur die Wahrheit umfaßten und sorgfältig abgewogen und verfeinert würden, bevor sie Gestalt annehmen?
Wie sähe unsere Welt dann aus? … Wir wissen es nicht, doch eines ist sicher: Mehr als die Hälfte des Übels, das heute in der Welt um sich greift, würde in kurzer Zeit verschwinden.
Worte so zu wählen, daß sie die Empfindungen und Intuitionen, die ihnen zugrunde liegen, besser ausdrücken, verschönert und erhebt alles, was sie berühren.
Es ist ein Weg, aus der Quelle etwas Wertvolles zu schaffen, etwas Erfrischendes und Belebendes – im Gegensatz zu der Flut alltäglicher Phrasen, die wir achtlos aussprechen und gleichgültig hören.
Dem Nachbarn durch unsere Worte und unsere Art zu sprechen etwas zu geben, ist Ausdruck wahrer Liebe, die die Kraft besitzt, zu heilen, zu beleben, Klarheit zu schaffen und zu helfen.
Dem Nächsten nützlich zu sein, geht weit über bloßes Reden hinaus, um zu gefallen oder um des Redens willen, wie eine jederzeit verfügbare Jukebox.
Mit unserer Sprache prägen wir anderen etwas von uns selbst ein, das sie mit nach Hause nehmen, in ihr Herz, in ihr Leben.
Caroline Derschner
Roberto C. P. Junior (instagram.com/calvache/)
Der Tag Ohne Morgen