
Der Mensch ist Geist, nicht Körper! Doch die Menschen verstehen und wissen das nicht, und so wird ihr Körper zum Gefängnis für ihren Geist. Körper und Geist gleichen der Schale einer harten Nuss, die den Geist daran hindert, nach außen zu dringen und sich durch die Freude und Begeisterung, die er in sich trägt, zu entfalten.
Unser Geist muß jedoch dringend nach außen dringen, damit er in der geistig-emotionalen Erfahrung des Lebens zu einem starken Baum heranwachsen und reiche Früchte tragen kann. Gelingt ihm dies nicht, droht er hinter der festen Hülle des irdischen Verstandes in lang anhaltender innerer Lauheit zu verrotten und kann so nicht zum Licht aufsteigen.
Wir müssen verstehen, daß unser physisches Gehirn, unser Verstand, niemals eine Quelle der Freude für uns sein wird, denn er dient nicht diesem Zweck. Er dient lediglich dazu, irdisches Wissen und Erfahrungen zu sammeln, welche für unsere körperliche irdische Existenz notwendig sind.
Unser Körper und unser Verstand sind wie ein Auto, und unser Geist ist der Fahrer, der es steuert. Doch weil der Fahrer diese Tatsachen nicht versteht, verliert er die Fähigkeit, das Auto zu lenken. Das Auto hat ihn fest in sich eingeschlossen und fährt, wohin es will.
Doch das Auto selbst ist leblos ohne Fahrer, so wie sich der Körper ohne den Geist nicht bewegen, atmen oder Freude empfinden kann.
Der Geist vieler Menschen leidet in dieser Hülle in der Gefangenschaft, ohne daß der Betroffene es bemerkt, und er erkennt die Realität dieses Zustandes erst im Angesicht des Todes.
Die Zeit unserer Entwicklung auf Erden ist jedoch überaus kostbar! Jeder Augenblick, in dem das Geistige in einem Menschen unterdrückt wird und sich nicht entfalten kann, ist ein verlorener Augenblick. Und selbst wenn die Menschen meinen, dies sei nicht der Fall, daß sie durch die Befriedigung ihrer irdischen Bedürfnisse ein sinnvolles Leben führen, ist dies in Wirklichkeit kein wahres Leben. Denn wahres Leben ist allein mit der emotionalen Erfahrung unseres geistigen Inneren verbunden. Nur im emotional-geistigen Bereich liegt der Aufstieg und die Annäherung an Weisheit und Reife. Nur darin liegt die Verheißung des ewigen Lebens im Paradies.
Doch die Menschen verstehen es nicht und können es nicht begreifen, weil sie in ihren physischen Körpern, umgeben von der äußeren materiellen Welt, diese als die einzige Dimension ihres Seins betrachten.
Doch wenn der menschliche Geist sich nur einen Augenblick lang auf das Bild einlassen könnte, das hinter diesen Worten verborgen liegt: „der Schatz, der in der seligen Freude des geistigen Daseins im Paradies besteht“, könnten viele Menschen solange keinen inneren tieferen Frieden finden, bis sie in ihrem Leben mit aller Kraft und Begeisterung nach diesem Ziele strebten.
Worte allein reichen nicht aus, um das entsprechende Bild im Geiste zu erwecken, denn der Verstand sucht nur nach irdischer Erklärung und Erkenntnis.
Doch der Geist, in seiner emotionalen Freiheit und kindlichen Freude, schöpfe Kraft aus diesem Bild. Denn nur der Geist vermag das Bild der fernen Heimat im Licht zu erfassen, aus der er hervorging, um die Gesetze der Schöpfung in der materiellen Welt zu erlernen. Und die Ahnung seiner wahren Heimat ist in ihm noch lebendig, wie ferne Töne von Glanz und Glück. Der Geist trägt diese Erinnerung beständig in sich, selbst wenn sie im Laufe vieler Leben in der Materie zu einem winzigen Funken Hoffnung verdichtet wurde.
Dieser Funke der Möglichkeit zur Wiedergeburt bleibt in uns und ist stets bereit, erneut zu einer hellen Flamme zu erstrahlen, die an allem teilhat, was ein Mensch auf Erden erfährt.
Alles, was den Geist daran hindert, sich nach außen zu entfalten, muß beiseitegelegt und beseitigt werden. Wir müssen ganz in uns lebendig sein! Laßt uns edle Freuden in uns erwecken und, im Vertrauen auf den Sieg des Guten, alles durchschreiten, was wir in unserem Leben noch erleben werden.
Geistige Helfer werden uns stets nahe sein und uns führen, damit wir lernen, in jedem Augenblick die Schätze des Geistes zu sammeln.
Wenn wir dies tun können – und jeder Mensch kann dies gewiß –, dann werden wir uns eines Tages alle an Orten begegnen, wo uns Glückseligkeit und Freude durchdringen. Und dann werden wir wissen, daß wir unsere wahre Heimat in den Lichtebenen der Schöpfung des Herrn erreicht haben.
Denn der innere Aufstieg des Menschen hängt allein von seiner Fähigkeit ab, alles mit der Empfindung zu erleben, die stets Wege findet, sich vorwärts und empor zum Lichte zu bewegen. Unser Geist sollte darin frei sein, sich in freudiger Begeisterung auszudrücken, wie es ihm natürlich ist.
Laßt uns daher die Größe und den Adel unseres Geistes in die Welt verströmen, und er wird uns durch unser Empfinden zeigen, was richtig und harmonisch ist und somit, was erwünscht ist in dem Licht. Dann wird uns der Segen des Lichtes auf all unseren Wegen stets nahe sein.
Cesta Pravdy/ Weg zur Wahrheit