
Wenn wir körperliche Schmerzen verspüren, wissen wir, dass etwas mit unserem Körper nicht stimmt, und versuchen dann, das Problem zu lösen. Aber … wie steht es mit subtileren und subjektiven Beschwerden? Verspüren wir denselben Drang, sie zu beheben?
Was uns jedoch im Innersten beunruhigt, ist genau das, was verstanden und sorgfältig behandelt werden muss, um weiteren Schaden zu verhindern. So wie wir kleine Kratzer behandeln, damit sie nicht zu Wunden werden. Probleme zu verdrängen, anstatt sie zu lösen, kann eine Art Flucht sein, ein Versuch, uns an bestimmte unangenehme Aspekte des Lebens zu gewöhnen und uns einzureden, sie seien alltäglich oder unwichtig.
Wenn uns etwas jedoch falsch, schmerzhaft oder unangenehm erscheint, verlangt es ganz sicher unsere Aufmerksamkeit und drängt uns, eine Lösung zu finden. Und meistens gibt es mehr als eine. Wir müssen uns nur geistig öffnen, um sie zu entdecken.
Manche Menschen klammern sich an ihre Probleme und hegen und pflegen sie wie Zimmerpflanzen, die immer wieder dieselben Früchte tragen. Sie grübeln, kommen auf ihrem Lebensweg kaum voran, weil ihre Gedanken ständig um sie selbst kreisen. Andere wiederum verdrängen ihre Probleme resigniert und verbergen sie in ihren stillen Seelensorgen, verborgen in den Winkeln ihrer Gedanken oder Herzen, für niemanden sichtbar und doch allgegenwärtig.
Es ist eine bekannte Tatsache, dass Dinge, die man versteckt hält, dazu neigen, feucht zu werden, und wenn sie wieder ans Licht kommen, sehen sie schlimmer aus als zuvor. Je länger sie verborgen bleiben, desto schlimmer wird es. Der Mut, entschlossen die Schublade (oder Schubladen) unserer Probleme zu öffnen und ruhig und bereitwillig zu betrachten, was sich darin angesammelt hat, ist der erste und wichtigste Schritt zu jeder Lösung. Für die meisten Menschen ist das eine nicht unerhebliche Aufgabe, aber für diejenigen, die den Weg der geistigen Entwicklung beschreiten wollen, ist sie eine der lohnendsten. Mit anderen Worten: für diejenigen, die es ernst meinen, ihr Leben besser zu beenden, als sie es begonnen haben.
Wer sich seinem Schmerz objektiv stellt, ohne darin zu verharren, wird stärker. Eine Stärke, die nicht mit Brutalität oder Aggression verwechselt werden darf. Es geht nicht um jene Art von Kampf, der zwar das Schwert führt, aber keine Risse in der Rüstung der Seele für eine wahre innere Transformation öffnet. Mutig zu kämpfen, sich dem Schmerz der inneren Aufarbeitung zu stellen, ist ein weiser Akt, getragen von der Stille, die Kraft spendet, von Wohlwollen und vom Vertrauen in die Hilfe der Schöpfungsgesetze.
Am Ende jedes Kampfes werden wir nicht müder, sondern leichter sein; wir werden zu kostbaren Steinen, geschliffen durch Erfahrung. Kostbare Steine, gestärkt, wärmer und strahlender, liebevoller und menschlicher.
Die Stärke, die aus dem mutigen Konfrontieren mit Problemen erwächst, bedeutet jedoch nicht, uns gegen Schmerz abzuschotten, sondern vielmehr, uns zu Schülern der Lebensgesetze zu machen. Wir müssen die Schubladen unserer Sorgen furchtlos öffnen, bevor sie von Feigheit verstopft werden. Indem wir ihren Inhalt untersuchen und gründlich ausmisten, schaffen wir gleichzeitig Raum für die Erfahrungen, die uns bereichert und uns in der Schule des Lebens ein Stück weitergebracht haben.
Niemand wühlt gern im Dreck, doch am schlimmsten ist es, sich daran zu gewöhnen. Wer Probleme in sich hineinfrisst, ohne sich ihnen zu stellen, behindert sein eigenes Leben. Denn sie in einer Schublade zu verdrängen, führt zu Stagnation und zieht immer mehr Schmerz und Negativität an, wodurch immer mehr Schubladen benötigt werden, um den stetig wachsenden und endlosen Ballast zu verstauen.
Den Mut zu finden, mit dem Alten aufzuräumen, ist der erste Schritt zu einem leichteren, freieren und unbeschwerteren Leben. Jeder Schmerz birgt den Hinweis auf den Weg, der ihm entgegengesetzt ist – ein Weg, der weder Verleugnung noch Flucht, sondern endgültige Lösung bietet. Also… packen wir es an!
Caroline Derschner
Roberto C. P. Junior (instagram.com/calvache/)