Eine Naturperle entsteht allmählich. Der Prozess beginnt, wenn ein Fremdkörper in die Auster eindringt, was recht selten vorkommt: Das Weichtier versucht, sich gegen den Eindringling (der von einem Sandkorn bis zu einem winzigen Parasiten reichen kann) zu verteidigen, indem es ihn mit Perlmuttschichten überzieht. Und genau dieser kontinuierliche Prozess der Überlagerung führt nach etwa drei Jahren schließlich zur Entstehung einer Perle.

So gelingt es der Auster, eine widrige Situation der Invasion oder des Angriffs zu neutralisieren – eine durchaus effektive Verteidigung, die am Ende dennoch ein wunderschönes Juwel hervorbringt.

Ähnliches kann einem Menschen widerfahren, der sein Leben nach den von Gott dem Allmächtigen geschaffenen Gesetzen der Schöpfung ausrichten möchte. Aus einer höheren Perspektive betrachtet, entspricht diese freiwillige Ausrichtung auf universelle Gesetze einem wahren Dienst am menschlichen Geist – auf natürlichste Weise.

Und wenn jemand den Punkt erreicht, all sein Tun und Denken in selbstlosen Dienst am Schöpfer zu stellen, dem er sein Leben verdankt, dann empfängt seine Seele im Gegenzug unaufhörlichen Frieden, der ihn erhebt und vor Neid, Hass und Eifersucht schützt. Diese leuchtende Hilfe wiederum trägt dazu bei, denjenigen zu schmücken, der sie empfängt – das heisst, die menschliche Seele, die nach dem Erhabenen strebt.

Wenn diese Seele die Erde verlässt, ist sie bereit, ins Jenseits einzugehen – erfüllt von Frieden und reich geschmückt, denn sie hat leidvolle Erfahrungen in spirituelle Perlen der Erkenntnis und des Lernens verwandelt. Und auch der Dankbarkeit.

Roberto C. P. Junior

(instagram.com/robpucci/)

Der Tag Ohne Morgen


Wie oft suchen wir Zuflucht in uns selbst? Und doch liegen unsere Waffen in uns: die goldenen Flügel der Intelligenz, der silberne Schild des Willens, die lebendige Lanze der Worte, die roten Sandalen des Mutes.

José Luis Martín Descalzo (1930–1991) Spanischer Schriftsteller.