
Es ist leicht, oberflächlich, leichtfertig oder unbeständig positiv zu sein. Mancher Optimismus ist nichts weiter als bloße Begeisterung, Selbsttäuschung, Naivität oder mangelndes Verständnis. Solcher Optimismus bleibt oft unbemerkt; falscher und flüchtiger Optimismus ist schlimmer als Scheitern.
Ich interessiere mich aufrichtig für die Grundlagen einer solideren, fundierteren, engagierteren und begründeten Positivität. Einer Positivität, die auf festem Fundament ruht. Die ernst genommen wird und der derselbe Respekt gebührt wie der Weisheit in Zeiten der Not.
Eine tief verwurzelte, solide positive Einstellung, die weder vom Wetter noch vom Verkehr, von verletzenden Worten noch von einem leeren Bankkonto erschüttert wird. Eine positive Einstellung, die tief in der Seele schlummert und darauf wartet, gerettet zu werden, wie eine lebenswichtige Boje. Eine Voraussetzung für Orientierung.
Ich sehne mich nach empirischer Hoffnung, genährt von einem tiefen Verständnis der Funktionsweise des Lebens. Nach einem Leuchtfeuer der Wahrheit, das weder Stimmungen noch oberflächliche oder zweifelhafte Ideen beeinflusst. Schwingenden Ideen, diktiert vom Zufall, von den Meinungen anderer, von Schwankungen und Umständen. So viele Umstände…
Ich wünsche mir die Gewissheit eines möglichen, bedeutsamen, gegenwärtigen und erreichbaren Gutem. Ja! Optimismus sollte nicht nur oberflächlicher Glanz sein, Dekoration für unbeschwerte Tage, sondern festes Fundament. Material, für das es sich zu arbeiten und sogar zu schwitzen lohnt.
Wahre Positivität erfordert Engagement. Wenn es einen ernsthaften Weg zu Positivität oder zu wahrer Freude gibt, dann ist es ein ganz konkreter Optimismus, der in der großen Realität wurzelt, die alles trägt – auch dich und mich.
Caroline Derschner