Wahre Nächstenliebe kann nicht aus einem Herzen ohne Verständnis entspringen. Verständnis für den Nächsten zeigt sich in einem echten Interesse, das nichts anderes im Sinn hat, als ihn zu verstehen und ihm nach Möglichkeit zu helfen. Dieses Interesse kann jedoch nur entstehen, wenn die Seele des Helfenden offen ist für Eindrücke von außen, um die Erfahrungen des Mitmenschen zu verinnerlichen. Nur so ist es möglich, sich in den anderen hineinzuversetzen, ihn zu verstehen, zu lieben und zu achten. Nur so ist es wahrhaft möglich, „seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst“, wie es der größte Lehrer mahnte.

In seinem Werk „Im Lichte der Wahrheit, die Gralsbotschaft“ schreibt Abd-ru-shin:

„Mit Eurem Wesen sollt Ihr Eurem Nächsten geben, Eurer Art! Nicht etwa unbedingt mit Geld und Gut. Dann würden ja die Mittellosen von der Möglichkeit des Gebens ausgeschlossen sein. Und in diesem Wesen, in dem »Sichgeben« in dem Umgange mit Eurem Nächsten, in der Rücksicht, Achtung, die Ihr ihm freiwillig bietet, liegt das »Lieben«, das uns Jesus nennt, liegt auch die Hilfe, die Ihr Eurem Nächsten leistet, weil er darin sich selbst zu ändern oder seine Höhe weiter zu erklimmen fähig wird, weil er darin erstarken kann.“

Doch wenn das Tor zur Seele dessen, der diese Worte erfüllen will, lange verschlossen war, wird es immer schwieriger, es zu öffnen. Je länger es verschlossen bleibt, desto schwerer wird es. Und wenn viel Zeit in diesem Zustand vergeht, läßt es sich überhaupt nicht mehr öffnen, nicht einmal mit dem strahlendsten Schlüssel des guten Willens, denn es wird unmöglich sein, das Schloß zu finden, das nun jahrzehntelang vom Schleier der Selbstsucht verhüllt ist.

Roberto C. P. Junior

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Der Tag Ohne Morgen

„Wer glücklich ist, verbreitet Glück. Wer im Unglück verweilt, verliert sein Gleichgewicht und sein Selbstvertrauen und verliert sich im Leben.“

Anne Frank (1929–1945), jüdische Tagebuchschreiberin.