GEHEIMGEHALTENE

OFFENBARUNGEN

AUS DEN EBENEN DES LICHTES – III

 

LUZIFER

Lange Zeit wussten viele Wesen der lichten Ebenen nichts von den schwerwiegenden Ereignissen, die sich in den Hallen von Walhalla abgespielt hatten.

Nur ein Teil der urgeschaffenen Gralsritter wusste, was geschehen war, und sie waren es auch, die sofort ein flammendes Gebet um Hilfe an Gottvater richteten.

Niemand wusste es genau, aber durch die Hallen des Grals, in denen die treuen Wächter standen, flossen in Wellen Bilder von Ereignissen, wie sie noch niemand erfahren hatte.

Diese Wellen brachten eine bisher unbekannte Schwingung mit sich, die man “den Kampf” nennen konnte.

Aber alles war noch weit entfernt, und die Sphären des Lichts waren noch erfüllt von Glückseligkeit und Anmut.

Der Lichtträger blieb tief im Nebel der Nachschöpfung versunken, und niemand wußte, was ihn beschäftigte.

Die Geistfunken der Entwickelten, die durch das frühere Wirken des Lichtträgers erweckt worden waren, stiegen immer noch aufwärts und durften in den feinstofflichen Sphären Orte erreichen, die fast in Sichtweite der Stufen lagen, die zum leuchtenden Tor der Heimat der Blauen Insel der seligen, reifen Geister führten.

Noch schien alles gesegnet, und niemand in den lichten Ebenen ahnte, wie sehr die weitere Entwicklung die Situation verändern würde.

Da tauchte plötzlich aus den Tiefen des Nebels ein Strahl auf, der den geformten Willen des Lichtträgers in sich trug.

Er stieg durch die Sphären und trug in sich einen seltsamen Ruf zum Dienst.

Viele der Erschaffenen begrüßten diesen Strahl mit Freude, denn sie hatten nie zuvor Täuschung und Falschheit erfahren.

Sie freuten sich über diesen Strahl, denn sie sahen darin die Bestätigung, dass sich alles in voller Übereinstimmung mit dem Willen des Schöpfers vollzieht.

Viele in den Sphären der geistigen Schöpfung freuten sich darüber und bereiteten sich darauf vor, wenn der Strahl Luzifers in die Nachschöpfung zurückkehren würde, erfüllt von dem segnenden Licht, sich ihm anzuschließen und ihm zu folgen in der großen Hilfstätigkeit.

Nun aber stieg der Strahl noch höher empor, durchquerte die Ebenen und drängte unaufhörlich alle hier Lebenden, sich ihm anzuschließen.

Ein seltsamer, feiner Nebel folgte seinen Schritten, und wo die Geister sich dem Lichtstrahl näherten, hüllte er sie ein, und sie lauschten den Tönen, die damit verbunden waren.

Das Wort “Dienst” erklang darin.

Wieder und wieder wurde dieses Wort wiederholt, und überall im Raum erklang es in stummer Wiederholung “Dienst … Dienst … Dienst …”.

Seine Ausstrahlung war berauschend und lud ein, sich dieser Botschaft, die vom Werk der Nachschöpfung ausging, zu nähern und sich mit ihr zu verbinden.

Der Strahl stieg höher und höher.

Schließlich erreichte er die höchsten Stellen, wo er die Urschöpfung durchschritt.

Der einzige Ort, dem er sich in den lichtdurchfluteten Ebenen nicht näherte, war die leuchtende und mächtige Gralsburg selbst.

In ihrer Nähe wartete er ab, ob er die Bewohner umstimmen könnte.

Doch seine eigentliche Absicht, warum er bis zu diesem Punkt dieser lichterfüllten Ebenen aufgestiegen war, wurde für viele starke Urgeschaffene immer mehr spürbar, denn sie hatte von Anfang an in den Tiefen der Stofflichkeit im Strahl geschlummert.

Die Gralsritter wussten von dieser Absicht im Voraus, denn sie erfuhren durch den Erzengel Michael mehr, als die übrigen Bewohner der Schöpfung.

Von blendendem Licht umgeben, warnte Erzengel Michael, der vom Schöpfer dazu bestimmt worden war, den jungen König in den Gralshallen dieser Schöpfung zu beschützen, die Ritter vor dem bevorstehenden Herannahen des Willens Luzifers.

Vorerst aber kreiste der strahlende Wille des mächtigen, göttlichen Dieners Luzifer durch die Ebenen, zum Teil noch für viele anziehend in seinem Ruf.

Aber hinter seiner blendenden Helligkeit war immer deutlicher die Blässe und Leere zu erkennen, die sich von allem Reinen in der Schöpfung entfernte.

WER MIT DEN KRÄFTEN, DIE IM GRAL STRÖMTEN UND AUS DEM DIE LEBENSPENDENDE KRAFT GOTTES, DES VATERS, IN RUBINROTEM GLANZ STRÖMTE IN VERBINDUNG BLIEB, DER ERKANNTE, DASS DER RUF NUR EIN LOCKRUF WAR, EINE AUFFORDERUNG, SICH MIT DEM WILLEN DESSEN ZU VERBINDEN, DER SICH SELBST ERHÖHT HATTE.

IN DER HELLIGKEIT UND IM GLANZ DES LICHTSTRAHLS KONNTE MAN EIN BILD ERKENNEN, DAS EINE SELTSAME, SCHLANGENARTIGE FORM TRUG.

PLÖTZLICH DREHTE SICH DIE SCHLANGENGESTALT UNTER DEN BLICKEN DER TREUEN RITTER IM KREISE UND GING AUF DEN HELLEN RITTER ZU, DER SICH IN DER GRALSBURG BEFAND.

Doch gegen den Willen, der den Strahl vorwärtstrieb, war bereits ein Schutzwall aus Rittern in glänzenden Rüstungen errichtet worden.

Die Strahlenschlange blieb vor ihnen stehen und flüsterte.

“Dienen, Dienen ist das höchste Geschenk, das man dem Leben in der Schöpfung machen kann.”

“Diene, diene mir, denn ich kenne die Schöpfung besser als jeder andere.”

“Wie Er komme ich aus dem Göttlichen, aber in meiner Sendung kenne ich die Gesetze der Schöpfung bis in den letzten Winkel.

“Ich kenne das Werk der Schöpfung vollständig, Er nicht.”

“Ich bin das Göttliche, das für die Schöpfung auserwählt wurde.

“Ich werde Euch mehr Licht geben, als Ihr in Eurer Mitte habt, wenn Ihr mir dient und mir die Gralshallen öffnet.”

“Ihr habt nie die Macht gekannt, die ich Euch vom Throne Gottes bringen werde.

Mit einem Zischen stiller Verlockung hallte es durch den Raum, der Strahl umkreiste die Reihen von Parzivals Getreuen.

Die Reihen erbebten, aber kein einziger Ritter wich zurück oder gab dem Ruf der Stimme nach.

Dann kam ein geflüsterter Ausruf als Antwort:

“ICH BIN!”

“ICH BIN, DER ICH BIN!”

Wie eine klingende Stimme der Hoffnung ertönte der gewaltige Ruf den Jüngern, und alle erkannten in seiner Stimme Gott, den Vater, selbst

Mit dem Klang der Worte wurde die schleichende Schwere, die sich im Flüstern des Strahl Luzifers auf alle gelegt hatte, mit einem Schlag hinweggefegt.

Eigenwille und falscher Stolz in der Schöpfung wurden gebrochen.

Alle Diener, die dem Lichte treu waren, wurden gestärkt.

Der Strahl Luzifers zitterte und schien, erschüttert von den Worten, die noch lange wie ein Echo durch den Raum hallten, endlich nachzugeben und sich zurückzuziehen.

Plötzlich aber sprang die Schlange vor und wickelte sich um die Füße der Ritter, die ihr als die schwächsten Glieder in der festen Reihe erschienen.

Sie zerrte die Ritter aus dem Hof und folgte Parzival, der sich in der lichtdurchfluteten, höchsten Halle des Grals befand.

Hier verweilte er betend, auf den Schutz seines Vaters vertrauend.

Die Reihen der Ritter folgten dem Strahl, und noch einmal versammelten sich die Getreuen, um ihren jungen Gralshüter zu schützen.

Vier der stärksten Gralsritter standen am Eingangstor der Halle, bereit, den Drachen aufzuhalten, den der Strahl, nun völlig verwandelt, aus der Tiefe heraufbeschworen hatte.

Gewaltige Kräfte drangen mit dem Strahl durch die Gralshalle, und der Aufprall erschütterte die Mauern des mächtigen Baues.

Dröhnen und Wehklagen drang in die Tiefe wie das Echo einer Schlacht.

FÜR EINEN KURZEN AUGENBLICK KONNTEN DIE VIER GEWALTIGEN MIT IHRER KRAFT DIE SCHLANGEN ZURÜCKHALTEN, SO DASS DER STRAHLENDE JÜNGLING VON DER HERBEIGEEILTEN KÖNIGIN ELISABETH IN DEN GÖTTLICHEN TEIL DES GRALS, IN DEN SCHUTZ DES EWIGEN, AN FÜR DIE SCHLANGE UNERREICHBARE ORTE EMPORGEHOBEN WERDEN KONNTE.

In diesem Augenblick rief der Himmel:

“GENUG, BIS HIERHER UND NICHT WEITER!”

UND DA TRAT AUS DEM BLENDENDEN LICHT EINE GESTALT VON RITTERLICHER PRACHT.

DER ERZENGEL MICHAEL, VON GOTTVATER ZUM SCHUTZ DER GRALSHÜTER GESANDT, STÜRZTE SICH, VON SEINEN MÄCHTIGEN FLÜGELN GETRAGEN, IN DIE HALLEN DER BURG, UM MIT GÖTTLICHER KRAFT DEN URGESCHAFFENEN RITTERN ZU HILFE ZU EILEN, DIE SONST DEM STRAHL NICHT HÄTTEN STANDHALTEN KÖNNEN, MIT DER DER FUNKE DER EWIG SPRÜHENDEN, GÖTTLICHEN ESSENZ GEGEN SIE GERICHTET WAR.

Die Schlange, die sich aus dem Strahl entwickelt hatte, drohte, wenn sie den Jüngling nicht treffen konnte, das heilige Gefäß des Grals zu treffen, es abzulenken und so den Kraftstrom, der durch es in das Schöpfungswerk floss, zu lähmen.

Mit sicherem Hieb traf der leuchtende Erzengel, der bereits auf den Gralsmauern stand, die Schlange mit seinem leuchtenden Schwert, und sie stürzte gelähmt in die Tiefe.

Vom Hieb des Stärkeren niedergestreckt, sank er in die Ebenen hinab, umschlang die nicht Standhaften und riß sie mit sich hinab oder erschütterte sie wenigstens, um sie in ihrem bisherigen Dienst zu verunsichern.

Auf diese Weise beeinflusste er sogar einige der Geister der Schöpfung, die seinen Einflüsterungen nachgaben und sich von den Verlockungen und umhüllenden Versprechungen seiner Größe mitreißen ließen.

So mancher Lichtpunkt in der Schöpfung war davon betroffen, und eine Zeit lang musste die dadurch entstandene Verwirrung wieder in ihr ursprüngliches Gleichgewicht gebracht werden.

Schließlich aber konnte sich der Strahl in der Urschöpfung nicht mehr halten und stürzte wutentbrannt, schon in offener Feindschaft gegen das Licht, in die Tiefe der Nachschöpfung, wo sich wieder der Nebel der Vorahnung einer unseligen zukünftigen Entwicklung über ihn legte.

IN DEN HALLEN DES GRALS, UNTER DER FLUT DER GÖTTLICHEN KRAFT, VERMITTELT DURCH DEN GESANDTEN BESCHÜTZER, DEN ERZENGEL GÖTTLICHEN URSPRUNGS, WURDE ALLES SOFORT AUSGEGLICHEN, UND NIEMAND BLIEB DAVON UNBERÜHRT.

Mit der Erneuerung der Kräfte, die nun wieder in strahlendem Segen strömten, kehrte der Friede zurück, und mit dem Einströmen des Gralslichtes strömte allumfassende Harmonie an alle Orte, die zuvor vom Strahl des gefallenen Erzengels berührt worden waren.

Auch in den anderen Sphären der Schöpfung heilten rasch die Stellen, an denen es unter der Einwirkung des Strahles des gefallenen Erzengels zu einer kurzen Abweichung gekommen war.

Alles wurde wiederhergestellt oder ersetzt, und der regelmäßige Puls ging wieder von oben nach unten, wie er es immer getan hatte.

JUBELND WURDE DIE NACHRICHT VON DER RÜCKKEHR DES JÜNGLING PARZIVALS AUS DEM GÖTTLICHEN TEIL DER GRALSBURG IN DIE HÖCHSTEN HALLEN DES REINGEISTIGEN ANBAUES DES GRALES DURCH DIE SPHÄREN GETRAGEN.

KÖNIGIN ELISABETH VERWEILTE NOCH EINIGE ZEIT BEI IHM IN DIESEM BEREICH, BEVOR SIE IN IHRE HEIMAT AUF DER GÖTTLICHEN EBENE ZURÜCKKEHRTE.

ALLE BEWOHNER DER SCHÖPFUNG STIMMTEN IN IHR LOBGEBET EIN, UM DEN TREUEEID AUF DEN GRALSKÖNIG UND SEINEN HEILIGEN VATER ZU BEKRÄFTIGEN.

Der selige Puls wogte friedlich und ruhig durch alles und jeden.

Vielerorts aber blieb der besondere Eindruck des Erlebnisses zurück, der allen Bewohnern des Schöpfungswerkes, die die gewonnene Erfahrung als eine neue Form der Weisheit in sich trugen und blieb für immer als eine Erinnerung im neuen Bewusstsein bewahrt.

Bei vielen blieb dieses erworbene Wissen um die Widrigkeiten und Unwahrheiten, die ihnen bis dahin unbekannt waren, als ein Abdruck zurück, der nie mehr ausgelöscht werden kann, und der immer eine Hilfe für alle Handlungen in den Ebenen der Nachschöpfung sein wird, wo ein gewisser Grad an Lauheit aus der Natur des erschwerten Vordringens des direkten Lichtes immer vorhanden ist.

Durch diese für alle Schöpfungsbewohner unerwartete Erfahrung konnte sich das Werk des Schöpfers in seiner ganzen Fülle und ewigen Dauer entfalten.

Für immer wird das Wissen dass das Licht verdunkelt werden kann bleiben, nähmlich sobald Wachsamkeit und Reinheit nicht in Harmonie mit Reife, tiefer Weisheit und klarem Scharfsinn im Erkennen von allem, was falsch ist, stehen.

Eine neue Welle der Treue durchflutete die Sphären und brachte ein zusätzliches Maß an erworbener Achtsamkeit in die glückselige Hingabe an das Licht.

Sie erfüllte die Herzen all derer, die diese Erfahrung gemacht hatten und unerschütterlich an ihren Wirkungsstätten, mit überschwänglicher Freude ausharrten.

Gleichzeitig erfüllten sich viele Verheißungen aus den Höhen des Lichtes, und Scharen von Getreuen meldeten sich zum Dienst, um bei ihrer Erfüllung zu helfen.

Die Diener des Lichtes warteten auf allen Ebenen auf die Zeit, sich dem Menschensohn anzuschließen, der, wenn er nach seiner Ankündigung  durch das Schöpfungswerk gehen würde, um durch seine Gegenwart alle Wunden zu heilen, die durch den Durchgang des Strahls des gefallenen Erzengels entstanden waren.

Große, erhabene Erwartungen erfüllten alle Ebenen, und der freudige Gottesdienst war Teil aller Vorbereitungen auf das neue Ereignis, das die großen Räder des gesamten Schöpfungswerkes wieder in Bewegung setzen sollte.

 

 

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