Alles, was mit dem Begriff der Zeit und ihrem Ablauf für die Menschen verbunden ist, untersteht der Herrschaft des großen Wesenhaften Dieners Hathmes. Nichts entzieht sich in seinem Ursprung, seiner Entwicklung, seiner Dauer und seinem Ende der strengen Ordnung der zeitlichen Abfolge, welche in der Schöpfung von dem erhabenen Hathmes gelenkt wird.

Ein Tautropfen fällt nicht von einer Blüte, eine Pflanze sprießt nicht, eine Frucht reift nicht, ein Junges wird nicht erwachsen, die Gebeine der Toten zerfallen nicht zu Staub, bevor es der erhabene Hathmes nicht in der richtigen zeitlichen Abfolge vorgesehen hat.

Hathmes ist der Herr über die Zeit und auch den Raum, denn diese beiden Größen sind durch seine Herrschaft untrennbar.

Hathmes lenkt auch alle Fäden des Schicksals, sodaß sie sich so erfüllen, wie es in den Gesetzen des Willens des Schöpfers festgelegt ist. Und so verhält es sich auch mit den physikalischen Erscheinungen sowie den chemischen Prozessen.

Doch das Gericht naht, und der Strahl des Menschensohnes überbringt Hathmes den Auftrag, alle Ereignisse zu beschleunigen.

Hathmes, dem Willen des Herrn gehorsam, bewirkt daher nun Geschehen, in denen der Fluß der Zeit variieren kann – das eine Mal schneller, ein anderes Mal wieder langsamer.

Er gewährt weisen Menschen ein wenig zusätzliche Zeit, um wichtige Angelegenheiten zu klären und zu ordnen, wobei er den Toren in ihrer tiefen Unbewußtheit den Zeitfluß beschleunigt.

Es ist dies ein höchst seltsames Phänomen, daß sich Raum und Zeit mit dem Stab von Hathmes verschieben lassen, sodaß die Herausbildung der Formen je nach Bedarf beschleunigt oder verlangsamt werden können. So rollen die Ereignisse unaufhörlich über die Menschheit hinweg, und niemand weiß, wo alles beginnt und wo es endet.

Und doch liegt alles in der Macht des Hathmes, welcher auf Geheiß des Parzival unverantwortlichen Menschen ermöglicht, länger und schwieriger an Lebenssituationen teilzunehmen, als es die Gesetze der materiellen Welt bisher erlaubt haben.

Im Gegenteil können viele andere Geschehen von jenen Menschen, welche mit dem Licht gesegnet sind, leicht und kurz durchlaufen werden, wenn ihr Inneres eine symbolische Sühne des Karmas zuläßt.

Menschen, die im Strom des Lichtes schwingen, welcher zunehmend zur Erde herabströmt, können verschiedene Ereignisse so erleben, daß sie ihnen im Nachhinein nur wie ein kurzer Traum erscheinen.

Deshalb werden wir von den strahlenden Helfern des Lichtes so oft daran erinnert, in unserem Inneren immer nur eine reine und edle Ausrichtung zu bewahren. Und vor allem jene, anderen zu vergeben.

So hat jeder von uns es selbst in der Hand, wieviel Zeit das Durchleben unserer Erfahrungen dieses oder jenes Ereignisses einnimmt.

Auf das Geheiß des Menschensohnes kann Hathmes derzeit viele Geschehnisse in einem Augenblick vorüberziehen lassen, welche andernfalls, in der sonst üblichen Art und Weise Tage, Wochen oder Monate andauern würden.

Und doch verstößt dies keineswegs gegen die Gesetze des Schöpfers, denn diese Gesetze verfolgen in erster Linie eines: daß alles in einem vollen Erleben in gerechter Weise ausgeglichen wird.

Das Loslassen der Vergangenheit gelingt einem erleuchteten Menschen schneller und in symbolischer Form, damit er rascher für einen höheren Dienst auf Erden reifen kann. So wird er nicht mehr zusätzlich belastet, während er sich gegenwärtig in seinem reinen Dienst des Lichtes befindet.

Darin liegt ein großer Segen, aber gleichzeitig auch eine Gefahr, denn selbst ein kleiner Fehler oder ein Rest von Unreinheit kann einen wankelmütigen Menschen dann wieder dazu bringen, gegen den Willen des Schöpfers zu verstoßen, indem er sich für nur einen Augenblick zu Fall bringen läßt.

Im Zusammenhang mit Hathmes müssen seine Helfer erwähnt werden, denen die Menschen im Augenblick des irdischen Todes begegnen, um ihnen ihre bevorstehende Zeit zu verkünden. Die Menschen fürchten diese normalerweise, doch wer ein reines und ehrliches Leben geführt hat, braucht sich nicht zu fürchten, denn sie führen diesen zu dem geistigen Erwachen in den Höheren Ebenen des Lichts.

Diese Diener Hathmes sind in Wahrheit Freunde eines jeden einzelnen Menschen. Ihre Aufgabe ist es, die Menschen aus den Fäden heraus zu führen, welche sie im ersten Augenblick nach dem Verlassen des irdischen Körpers noch umgeben.

Zu diesem Zweck besitzen sie silberne Stäbe mit einer halbkreisförmigen Klinge an der Spitze. Mit diesen durchtrennen sie die Fäden, welche die erwachende Seele in der anderen Welt mit dem leblosen irdischen Körper verbinden, da diese Fäden ihre freie Reise durch die feineren Ebenen behindern würden.

Andere Gehilfen des Hathmes begleiten die menschlichen Seelen in die entgegengesetzte Richtung, also hin zur Inkarnation in einen irdischen Körper. Diese Wesen knüpfen Verbindungen zum entstehenden Körper, und ihr lieblicher Gesang erfüllt werdende Mütter oft mit tiefen bewegenden Empfindungen.

Wenn die Zeit der Inkarnation gekommen ist, verfällt die Seele kurz in einen Zustand ähnlich dem des Schlafes. Ein Band wird auf ihre geschlossenen Augen gebunden, das es ihr ermöglicht, vorübergehend alles Vergangene zu vergessen.

Wie lange dieses Band nach ihrem Erwachen in dem irdischen Körper im inneren Blickfeld der Seele verbleibt, hängt allein von ihrer inneren Lebendigkeit ab. Sie muß die betäubende Wirkung des irdischen Bewußtseins überwinden, sich wieder mit ihrem höheren Seinswissen verbinden und den Weg eines immer geistigeren Lebens beschreiten.

Jeder Mensch ist dazu fähig, wenn er es nur will. Er muß lediglich den Willen zum inneren Leben in sich entwickeln, welcher schließlich in das irdische Bewußtsein durchbricht und ein fester Bestandteil seiner immer bewußteren Lebensreise wird.

Ich wünschte, möglichst viele Menschen würden diesem inneren Drang folgen und einen Schritt hin zu einer tieferen Lebenserkenntnis wagen.

In diesem Fall sind Hathmes und seine Helfer bereit, alles zu ermöglichen, was ein solch innerlich erwachter Mensch erleben muß, je intensiver er nach einem reinen und gerechten Leben auf der Erde strebt.

Wenn wir ernsthaft den Weg der Reinheit, Güte und Nächstenliebe beschreiten, werden wir große Hilfe erfahren. Die edlen Diener des Schöpfers werden uns dann so reichlich unterstützen, daß wir nur staunen und täglich neue Wunder erleben werden.

Cesta Pravdy / Weg zur Wahrheit