
In der Gegenwart gestalten wir persönlich und einzigartig unseren zukünftigen Lebensweg. Für diesen Weg tragen wir die volle Verantwortung, ohne Zufälle, Schicksalsschläge oder glückliche Wendungen. Ein tieferes Verständnis dieses Prozesses ermöglicht es uns zu begreifen, wie der individuelle Lebensweg entsteht. Jeder Stein, den wir täglich legen, trägt – je nach seiner Beschaffenheit – zur Festigkeit oder zum Verlauf unserer zukünftigen Reise bei.
„Bittet, so wird euch gegeben!“ ist ein bekanntes Sprichwort, das besagt, dass das Universum uns das zukommen lässt, womit wir uns verbunden fühlen oder was uns positiv beeinflusst. Doch inwieweit ist diese hoffnungsvolle Aussage wahr? Oder in welchem Sinne könnte sie überhaupt wahr sein?
Zuallererst ist es wichtig, zwischen dem, was jemand sagt oder denkt – oder was er zu denken glaubt –, und dem, was er sich im Innersten wünscht, zu unterscheiden. Es genügt beispielsweise nicht, jemandem Zuneigung äußerlich zu zeigen, wenn das zugrundeliegende, verborgene Gefühl ein anderes ist. Ebenso ist es unmöglich, für das, was man hat, wirklich dankbar zu sein, wenn im Inneren ein anderes Verlangen herrscht – von Unzufriedenheit und Gier.
Hier trennen sich zwei unterschiedliche Wege, dem Leben seinen Willen einzuprägen und unser persönliches Fundament mit den vom Universum bereitgestellten Bausteinen gemäß den geltenden Gesetzen zu gestalten [1]. Manche sehen Wert und Nutzen nur in materiellen Dingen, im Unmittelbaren des Alltags, während andere darüber hinausblicken und das erkennen und befriedigen wollen, was in den Bereich des menschlichen Geistes und seiner lebensnotwendigen Bedürfnisse fällt.
Ja, viele lehnen den Materialismus als Lebensweise ab, aber nur dem Namen nach, wie sie sagen, denn ihr Alltag, ihre inneren Wünsche, sind ausschließlich auf die unmittelbarsten und trivialsten Bedürfnisse des Lebens ausgerichtet. Sie befriedigen ihre körperlichen Bedürfnisse, vergnügen sich und beschäftigen ihren Geist mit Ablenkungen, streben bis ins hohe Alter nur nach den materiellen Bedingungen des Lebens. In diese eine Richtung richten sich ihre wahren Wünsche.
So verfliegen Tage und Jahre im endlosen Rauschen des Alltags, in familiären Beziehungen und Routinen, die sich einzig und allein um ein gutes Leben, gute Kleidung und gutes Essen drehen, abwechselnd mit Arbeit, Ablenkungen, Unterhaltung und Vergnügungen, ungeachtet der dafür ausgegebenen Gelder. All dies trägt zwar ergänzend zum Erhalt des Lebens bei, doch als alleiniger Sinn des Daseins und als bloße Beschäftigung mit den eigenen Tagen ist es erschreckend dürftig und vermag den Menschen niemals auch nur einen Schritt näher an die innere Erfüllung heranzuführen, die sein wahres Leben ausmacht.
Der Weg des Materialismus ist prekär und dem Schicksal ausgeliefert. Seine Pflastersteine sind brüchig, und der Weg ist schlecht ausgebaut, sodass er seine verblendeten Wanderer nur bis zum Ende dieses irdischen Lebens führt, ohne ihnen die Inhalte und die Unterstützung für ihre geistige Entwicklung zu bieten, die das wahre Leben ausmachen.
Wie anders ist doch der Weg dessen, der mit ganzer Seele nach ständiger geistiger Weiterentwicklung strebt, immer besser werden will und stets nach wertvollen geistigen Fundstücken für seinen Lebensweg sucht. Ein wahres Leben, das das Wesen des Menschen berührt und dessen Ursprung und Ziel nicht auf diese Welt beschränkt ist, sondern zu einer ganzen Welt voller Erfahrungen, Schönheit und Weisheit führt – jenseits des Wochenplans, jenseits der täglichen Pflichten. Wie ein reißender Strom vermag es, den Menschen innerlich zu stärken und zu bereichern und ihm geistige Nahrung zu spenden.
Was der Mensch in seinem tiefsten Wesen sucht, sind die Steine auf seinem Weg zum eigenen Schicksal, die immer wieder dasselbe bringen. Wer nur nach materiellen Dingen strebt, wird auch nur materielle Güter erlangen. Und was ihm alles Materielle gibt und bringt, das trägt er nicht in sich, es wärmt nicht sein Herz und leistet ihm keine Gesellschaft. Es beantwortet weder seine Fragen noch hilft es ihm in schwierigen Zeiten. Lasst uns darüber nachdenken. Lasst uns sorgsam unseren persönlichen Weg bewahren.
Caroline Derschner
Roberto C. P. Junior
(instagram.com/calvache/)