Eine der größten Illusionen des Lebens ist wohl der Glaube, unser Schicksal bestünde allein aus großen Entscheidungen. Vieles von dem, was wir werden, beginnt in den kleinen Dingen des Alltags: in den Gedanken, die wir hegen, in den Gefühlen, die wir in uns wachsen lassen, in den Worten, die wir sprechen, in unserer Reaktion und vor allem in den Entscheidungen, die wir treffen, wenn uns niemand beobachtet.

Nichts davon ist so unbedeutend, wie es scheint. Alles, was wir denken, fühlen, sagen und tun, hat Folgen. Manche erkennen wir sofort, andere erst viel später, wenn wir sie nicht mehr mit unseren Entscheidungen in Verbindung bringen können. Ein Gedanke, der oft wiederholt wird, beeinflusst unser Empfinden und Handeln, und mit der Zeit bestimmen unsere Einstellungen die Wege, die wir gehen.

Es sind auch diese kleinen Details, die den Unterschied zwischen dem, was wir von uns behaupten, und dem, was wir wirklich sind, offenbaren. Wir können von Liebe sprechen und egoistisch handeln, Gerechtigkeit verteidigen und ungerecht sein, wenn unsere Interessen betroffen sind, Demut schätzen und gleichzeitig für alles, was wir tun, Anerkennung erwarten. Wir können hohe Prinzipien kennen, wortgewandt darüber sprechen und dennoch weit davon entfernt sein, sie zu leben. Im konkreten Leben, viel mehr als in Worten, zeigt sich, wer wir sind.

Je mehr wir wissen, desto größer ist unsere Verantwortung. Irgendwann reicht Verstehen allein nicht mehr aus. Was wir als richtig erkennen, muss sich in unserem Leben, in unseren Beziehungen, in unserer Arbeit, in unserer Körperpflege, im Umgang mit Geld und vor allem in unserer inneren Haltung widerspiegeln.

Wir verbringen einen Großteil unseres Lebens damit, nach Sicherheit, Besitz, Anerkennung und Erfolg zu streben. All das hat seinen Wert, solange es den richtigen Stellenwert einnimmt. Geld kann uns Freiheit schenken, unsere Lieben schützen, uns ermöglichen, Wichtiges zu erreichen und unsere Möglichkeiten, anderen zu helfen, erheblich erweitern. Doch es gibt eine Frage, die wir uns immer wieder stellen sollten: Während wir all unsere Wünsche verwirklichen, was für ein Mensch werden wir dabei?

Dasselbe gilt für Beziehungen. Wahre Liebe zeigt sich viel mehr in unserem täglichen Umgang miteinander als in großen Gesten. Sie äußert sich in Respekt, Präsenz, Geduld, Aufrichtigkeit und auch im Mut, das Richtige zu tun, selbst wenn es bequemer wäre, anders zu handeln. Ein wahrer Freund ist beispielsweise nicht immer derjenige, der uns zustimmt, sonder derjenige, der uns das sagen kann, was wir hören müssen, und der für uns da ist, auch wenn es nicht mehr angebracht ist.

Nas relações acontece o mesmo. O amor verdadeiro aparece muito mais na maneira como tratamos alguém todos os dias do que nas grandes demonstrações. Está no respeito, na presença, na paciência, na sinceridade e também na coragem de fazer o que é certo quando seria mais confortável agir de outra forma. Um verdadeiro amigo, por exemplo, nem sempre é aquele que concorda conosco, mas aquele que é capaz de nos dizer o que precisamos ouvir e continua presente quando já não existe nenhuma conveniência nisso. Não podemos voltar e apagar aquilo que já fizemos, mas podemos reconhecer nossos erros, reparar o que ainda for possível e fazer escolhas diferentes daqui para a frente. Enquanto estivermos vivos, cada escolha continuará influenciando o caminho que seguimos e, sobretudo, a pessoa que estamos nos tornando. Talvez por isso valha a pena prestar mais atenção à maneira como pensamos, sentimos, falamos e agimos todos os dias. Afinal, uma vida não é construída apenas pelos grandes acontecimentos, mas também pelas pequenas escolhas, atitudes e gestos que repetimos diariamente e que, tantas vezes, consideramos sem importância. Alberto Santana644

Wir können das Geschehene nicht ungeschehen machen, aber wir können unsere Fehler eingestehen, das noch Machbare wiedergutmachen und von nun an andere Entscheidungen treffen. Solange wir leben, beeinflusst jede unserer Entscheidungen unseren Lebensweg und vor allem, wer wir werden. Vielleicht lohnt es sich deshalb, bewusster darauf zu achten, wie wir denken, fühlen, sprechen und handeln. Denn ein Leben besteht nicht nur aus großen Ereignissen, sondern auch aus den kleinen Entscheidungen, Einstellungen und Gesten, die wir täglich wiederholen und die wir so oft für unwichtig halten.

Alberto Santana

Der Tag Ohne Morgen