
Die meisten Menschen leben nicht richtig, weil sie das Leben nicht aus der Tiefe ihres Wesens erfahren. Sie leben nur an der Oberfläche dahin, da ihr inneres Leben auf einem nebensächlichen Anteil ihrer Persönlichkeit basiert. So ist es seit vielen Generationen, die Menschen haben sich daran gewöhnt und halten es nunmehr für normal.
Doch die von den Propheten vorhergesagte Zeit des End-Gerichtes naht, und jeder von uns wird Rechenschaft darüber ablegen müssen, wie er mit dem Geschenk des Lebens umgegangen ist. Ob sein Leben tiefgründig und wahrhaftig war oder nur oberflächlich und seicht. Daher liegt es im Interesse jedes einzelnen Menschen, nun im letzten Augenblick etwas aus seinem Leben zu machen. Es so zu gestalten, wie der Schöpfer es von Anfang an vorgesehen hat, damit er auf dieser Grundlage das Gericht bestehen und als wertvolles Weizenkorn in der Scheune des Herrn gesammelt werden kann.
Wie werden wir also zu einem wirklichen Menschen, der sein Leben aus der Tiefe seines Wesens lebt?
Grundsätzlich gibt es in jedem von uns zwei Komponenten: Verstand und Empfindung!
Der Verstand ist das feinste und vollkommenste Instrument der Materie – unser Gehirn. Er ist vollkommen darauf ausgerichtet, uns alles Physische und Materielle erkennen zu lassen. Das ist sein großer Vorteil, aber zugleich auch seine Grenze, denn der Verstand kann nichts begreifen, was jenseits der Grenzen von Raum und Zeit liegt.
Nehmen wir zum Beispiel den Begriff der „Ewigkeit“. Der Verstand weiß damit nichts anzufangen. Er kann diese nicht verstehen, weil er nur die ständige Veränderlichkeit materieller Formen kennt. Nur das ständige Entstehen und Vergehen, aber keine Ewigkeit.
Und weil der Verstand diesen Begriff nicht versteht, behauptet er, daß die Ewigkeit nicht existiert. In gewisser Weise hat er zu einem Teil sogar Recht, denn die Ewigkeit existiert innerhalb der Grenzen von Raum und Zeit nicht wirklich.
Doch woher kommt dieser Begriff dann? Warum haben wir ihn in unserem Wortschatz, wenn er nicht existiert?
Weil dieser und viele andere Begriffe, wie der Begriff „Gott“, aus Ebenen jenseits der Grenzen von Raum und Zeit in unseren Wortschatz gelangt sind. Jenseits der Grenze, wo die Fähigkeiten des materiellen Verstandes und des materiellen Gehirns nicht mehr hinreichen.
Um diese Grenze zu überwinden, verfügt der Mensch über einen weiteren Anteil innerhalb seiner Persönlichkeit: die Empfindung. Das bedeutet, daß wir Dinge und Begriffe jenseits von Raum und Zeit durch unsere empfindsamen Regungen wahrnehmen und verstehen können. Durch unsere emotionale innere Wahrnehmung, die geistig ist.
Denn die Empfindung ist die Stimme unseres geistigen Kerns – unseres Geistes. Der Geist ist unser innerstes Wesen, dem wir folgen sollten. Dies geschieht, indem wir auf die Stimme unserer Empfindungen und unseres Gewissens hören. Durch sie führt uns unser wahres geistiges Inneres zu geistigen Höhen, dorthin, wo unsere Heimat ist.
Nur unser Geist kann durch die Empfindung unser Leben und unsere Wertvorstellungen über die Grenze der Materie erheben, jenseits derer der Verstand nicht mehr hinreichen kann. Und weil er nicht darüber hinausreicht, versucht er, alles Geistige und Feinere rational zu hinterfragen.
Wer sich in dieser Richtung von der Stimme des Verstandes leiten läßt, wird materialistisch gebunden und richtet sein ganzes Leben und seine Wertvorstellungen darnach aus. Doch das ist leider ein vergeudetes Leben, denn unser wahres Sein reicht weit über die Grenzen der Materie hinaus. Es erstreckt sich bis in die Ewigkeit des geistigen Reiches, wohin wir eines Tages zurückkehren müssen. Und wir können nur dorthin zurückkehren, wenn wir den Weg gehen, den uns unser Geist durch die Empfindungen weist. Der Verstand muß diesem Weg folgen und auf die Stimme des Geistes und der Empfindung hören. Nicht so wie heute, wo der Verstand uneingeschränkt über unser inneres Leben herrscht und das empfindsame Geistige unterdrückt oder gänzlich verdrängt wird.
Wer diese Tatsachen erkennt und ein wahrer Mensch werden will, muß beginnen, seine innere Sensibilität zu entwickeln. Doch das ist ein Problem, denn in jedem von uns hat der Verstand durch Erziehung, Schule oder Gewohnheiten den ersten Platz.
Der rationale Teil in uns ist so stark ausgeprägt, daß er unsere Empfindungen verdunkelt, uns die Wahrnehmung unmöglich macht und sie infrage stellt, wenn wir ihnen folgen wollen. Der Verstand errichtet bewußt und heimtückisch eine unüberwindliche Mauer um unsere Empfindungen, damit wir sie nicht wahrnehmen und er uns beherrschen kann. Er macht uns zu Menschen mit beschränktem Geiste, die in materieller Oberflächlichkeit und Belanglosigkeit leben.
Doch es gibt einen Weg, diese Mauer zu überwinden. Wie können wir uns wieder mit unserem Geist verbinden und seine Stimme der Empfindung klar wahrnehmen? Dieser Weg ist das gute Wollen und das Erfüllen desselben durch gute Taten!
Wenn wir beginnen, dauerhaft nur den guten Willen in uns zu tragen und in jeder Situation nur Gutes zu tun, wird die Mauer, die der Verstand arglistig errichtet hat und die uns von unserem Geist trennt, langsam dünner, und wir können die Stimme der Empfindung immer deutlicher wahrnehmen.
Und schließlich wird die Mauer des Verstandes vollständig fallen, und wir werden zu empfindsamen Menschen! Zu geistigen Menschen, in denen die Empfindung an erster Stelle steht und der Verstand diese Impulse ausführt. So werden wir zu wahren Menschen nach dem Willen des Schöpfers, der durch die Empfindung in dem Geiste die Verbindung zu allem Geistigen findet.
Und das ist geistige Wiedergeburt! Das ist die Geburt im Geiste! Das ist die Entdeckung des Weges zu Gott und zu den Höhen des Geistes, wohin uns unsere Empfindungen unfehlbar führen. Es genügt, in uns hineinzuhören und dem Weg der Empfindung
zu folgen.
Solche Kraft und solche Frucht bringen das beständige Wollen zu dem Guten hervor, ebenso wie auch das Vollbringen guter Taten in jeder Situation. Laßt uns daran festhalten, und wir werden das wahre Leben finden. Das Leben im Geiste! Das geistige Leben, das im Gericht standzuhalten vermag.