
In seinem Buch „Über das Glück“ nennt der englische Schriftsteller Roy Strong einige Regeln, um zu versuchen, das Glück zu erlangen. Zwei davon sind für die heutige Zeit von besonderer Bedeutung:
1. Keinen Groll hegen.
2. Nichts vom Leben zu erwarten.
Wer sich als unschuldiges Opfer eines schweren Unrechts betrachtet, nährt in sich Kummer und Groll. Doch in der heutigen Zeit ist ein solcher Fall so gut wie nie gegeben.
Wir ernten immer, was wir säen – früher oder später. Die Saat mag sogar in einem früheren Leben ausgebracht worden sein, doch die Ernte dessen, was gesät wurde, wird uns stets einholen und sie ist unvermeidlich.
Die äußere Form, in der sich dieser Ausgleich vollzieht, ist von untergeordneter Bedeutung. Entscheidend ist vielmehr die Erkenntnis: Wenn wir in der heutigen Zeit von etwas besonders Unangenehmem und Schmerzhaftem getroffen werden, dann deshalb, weil wir zuvor selbst etwas ebenso Schlechtes – von genau derselben Art – gesät haben. Wahrscheinlich haben wir auch anderen Menschen Leid zugefügt – sei es durch Unverständnis, Rücksichtslosigkeit, verletzten Stolz, Egoismus, einen Mangel an Weitblick für die Gesamtzusammenhänge oder aus anderen Gründen. Wir säen und wir ernten. Immer und immer wieder. Es gibt keine Ernte ohne eine vorangegangene Saat derselben Art.
Und da wir alle in einer Zeit beschleunigter Rettungsaktionen leben, ist es eine weise Haltung, weder von unserer Epoche noch von den Menschen etwas zu erwarten – eine Einstellung, die uns vor vielen Enttäuschungen und Leiden bewahren kann, die – wohlgemerkt – absolut vermeidbar sind.
Wir alle befinden uns inmitten eines Strudels von Rückwirkungen all dessen, was wir im Laufe unseres Daseins in diese Welt eingebracht haben – seien es gute oder schlechte Dinge, hervorgebracht durch unsere Gedanken, Worte, Taten und Intuitionen.
Es ist weder klug noch weise und auch nicht gerecht , von jemandem stets die vernünftigste und reifste Haltung zu erwarten oder gar in allen Situationen eine solche zu fordern; selbst dann nicht, wenn es sich um einen anerkanntermaßen guten Menschen handelt. Denn auch dieser Mensch befindet sich in einem Prozess der eigenen Läuterung, in dessen Verlauf er ebenfalls seine Fehler und Neigungen erkennen muss, Fehler und Neigungen, die sich in unserer heutigen Zeit, genau wie alles andere auch, verstärken und nach außen treten.
Der gegenwärtige Prozess der universellen Reinigung beschleunigt alles aufs Äußerste auch im Inneren des Menschen, seien es Tugenden oder Fehler, damit wir beides noch rechtzeitig erkennen und uns von Letzteren ein für alle Mal befreien können. In diesem Prozess werden wir nicht nur zwangsläufig mit den Folgen dessen konfrontiert, was wir einst selbst gesät haben; wir könnten sofern wir aus geistiger Sicht nicht wachsam genug sind, zudem zu unfreiwilligen Werkzeugen für den negativen karmischen Ausgleich anderer Menschen werden.
Keinen Groll hegen und vom gegenwärtigen Leben nichts erwarten. Die Befolgung dieser beiden Grundregeln – verbunden mit einem Gebet, das aus tiefer innerer Eingebung entspringt und dazu dient, unseren geistigen Blick stets klar und rein zu bewahren, ermöglicht es uns, gelassen auf unserem eigenen Weg der inneren Läuterung voranzuschreiten. Und auch wenn sie nicht ausreichen, um das Glück zu erlangen, so bewahren sie uns zumindest davor, vom Unglück berührt zu werden.

„Wer glücklich ist, verbreitet Glück. Wer am Unglück festhält und dabei Gleichgewicht und Zuversicht verliert, der verliert sich im Leben.“
Anne Frank (1929–1945) Jüdische Schriftstellerin.

Es gibt drei Wege zum Unglück: 1) Nicht zu lehren, was man weiß. 2) Nicht zu praktizieren, was man lehrt. 3) Nicht zu fragen, was man nicht weiß.
Beda Benediktinermönch.

„Lass nicht zu, dass das Verhalten anderer deinen inneren Frieden zerstört.“
Dalai Lama Tibetisch-buddhistisches Oberhaupt.