
Wir erzählen hier von einem schweren Unglücksfall, der sich vor nicht sehr langer Zeit ereignete.
Und zwar fuhr eines Tages Maria Célia mit ihrem Passat auf der Straße BR-153 von Pelotas nach Cachoeira do Sul.
Mit ihr im Auto befanden sich ihre Söhne, der vierjährige Alberto, und Antônio, der neun Jahre alt war.
Maria Célia, die ziemlich schnell fuhr, wußte leider nicht, daß sie sich dem Endpunkt ihres Schicksals auf Erden näherte. Später würden ihre Verwandten und Bekannten wahrscheinlich alle möglichen Bemerkungen anbringen. Ungefähr so:
»Wenn sie ihrer Mutter gefolgt hätte…«, oder »Célia hätte schon längst wieder daheim sein müssen!« Auch: »Es ist schon dunkel und immer noch kein Zeichen von ihr…«;
»Seit sie Auto fährt, gibt es keinen Halt für sie…« …
Inzwischen hatten sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Schicksalspunktes vier Jungen eingefunden, die auf etwas zu warten schienen. Sie machten einen merkwürdigen Eindruck, obwohl sie gut aussahen und gut gekleidet waren, nicht nur gut, sondern auch gleich. Aus der Nähe gesehen trugen alle vier eine enganliegende, rote Kleidung, ähnlich einem Overall.
Über dieser Kleidung, nie sah ich auf Erden ein gleiches Rot, hatten sie eine ärmellose Jacke an, die fast bis zu den Knien reichte und gestrickt zu sein schien.
Auffallend war, daß alle Jacken mit vielfarbigen kleinen Tieren bestickt waren. Auf ihren Köpfen trugen die Jungen Zipfelmützen, doch viel kürzere, als man sich diese sonst vorstellt. Breite Gürtel aus einem Material, das ich nicht kannte, umfaßten ihre dünnen Taillen und schlossen mit wie Diamanten glitzernden Schnallen.
An den breiten Gürteln hingen vielerlei mir unbekannte Dinge.
Als erstes sah ich verschieden große, silber leuchtende Gefäße, die wie schmale, lange Gurken aussahen.
Außer mehreren kleinen Körbchen und Säckchen hingen da auch noch andere Dinge. Jeder der vier Jungen hatte an einer metallenen Kette ein kleines Metallhörnchen hängen, das ihnen bis zur Brust herunter hing.
Größere Blashörner und verschiedene Flöten waren bei jedem an den breiten Gürteln mit Klammern festgemacht.
Die vier eigenartigen Knaben interessierten mich.
Beherzt ging ich auf sie zu. Da sah ich, daß sie keine Menschen waren, sondern zum wesenhaften Volk gehörten. Sie hatten schöne rotbraune Gesichter. An ihren Augen erkannte ich sofort die wesenhafte Abstammung, denn die Augen der Wesenhaften sind mehr rund als länglich.
Unabhängig von der Farbe ihrer Augen hat man immer den Eindruck, daß diese mit einem blauvioletten Glanz überzogen sind. Die vier betrachteten mich mit einem Freudestrahlen, als wären wir schon lange miteinander bekannt.
Während ich die Augen der Jungen betrachtete, bemerkte ich, daß sie nicht mehr so jung waren, wie ich zuerst dachte.
Ihre Gesichter waren natürlich bartlos, und keiner hatte die dicken Nasen und die häßlichen Gesichtsformen, wie es ihnen die Menschen andichten. Da ich nichts über deren Arbeitsbereich weiß, nenne ich sie Zwerge.
Gleichzeitig begann ich, mit ihnen zu sprechen. Doch sie schienen nicht zu verstehen, denn sie blieben stumm. Dabei fiel mir ein, daß ich mich doch schon oft mit Wesenhaften unterhalten hatte, und zwar in der Gedankensprache. In Gedanken fragte ich so deutlich wie möglich, worauf sie hier warteten?
Sofort wurde auch in Gedanken erwidert, daß sie auf die Kinder warteten, die mit einem Auto den Hang hinabstürzen würden. Dabei deuteten sie auf die andere Straßenseite. Sie hüpften um mich herum, aus Freude, daß ich sie verstanden hatte.
Plötzlich waren sie verschwunden. Ich blickte nach allen Seiten, doch keiner der freudestrahlenden Geschöpfe war zu sehen.
»Ich muß eine Halluzination gehabt haben«, dachte ich bei mir.
Weiter kam ich mit meinen Gedanken nicht, denn schon kam ein Auto in großer Schnelligkeit heran. Es war ein »Passat«, das konnte ich noch erkennen.
Doch irgend etwas mußte der Frau den Blick getrübt haben, denn sie kam von der Straße ab und stürzte den Abhang hinab. Trotz des dichten Gebüsches rollte der Wagen weiter abwärts, so weit, bis ich ihn nicht mehr sah.
Die Büsche hatten sich wieder aufgerichtet, und ich konnte nur mit Mühe den Wagen finden, nachdem ich den Abhang mehr hinabgerutscht als gegangen war. Die linke Tür stand offen. Die Frau, es war eine junge Frau, lag halb außerhalb des Autos, während die Füße durch irgend etwas drinnen festgehalten wurden. Es sah aus, als hätte sich das Auto mehrmals überschlagen.
Die Kinder saßen vor dem Rücksitz auf dem Boden des Autos und weinten. Soviel ich sehen konnte, waren sie kaum verletzt. Doch sie konnten nicht aus dem Auto, das nur zwei Türen hatte und eingeklemmt im Gebüsch lag.
Plötzlich waren die Zwerge wieder da. Nun nenne ich sie Tock-Tocks, da sie in Wirklichkeit nichts mit den mir bekannten Zwergen gemeinsam haben.
Die Tock-Tocks besahen sich rasch die Frau, zogen sie aus dem Auto und legten sie daneben in das Gras. Dann begannen sie leise auf ihren kleinen Hörnern zu blasen und suchten die Kinder. Die vier mühten sich, den Wagen in eine bessere Position zu bringen.
Kurz danach waren sie im Auto, hoben die Kinder vom Boden auf und betteten sie bequem. Dabei benützten sie die Kissen und Mäntel, die überall herumlagen. Als die Kinder gut versorgt auf dem Rücksitz lagen, nahm einer der Tock-Tocks ein gurkenähnliches, kleineres Gefäß von seinem Gürtel und gab den Kindern das darin enthaltene Getränk ein.
Es war ein Schlafmittel, doch gleichzeitig enthielt es nahrhafte Stoffe. Zwei andere spielten auf ihren Flöten einschläfernde Melodien. Die Kinder weigerten sich zuerst, etwas zu trinken. Aber die wesenhaften Helfer brachten sie bald so weit, daß sie nicht nur das nahrhafte Getränk zu sich nahmen, sondern auch gleich darauf einschliefen.
Während die Kinder schliefen, kümmerten sich die vier um die junge Frau. Sie war noch nicht tot. Doch es konnte sich nur noch um eine ganz kurze Zeit handeln, bis ihre Seele sich vom Erdenkörper trennen würde.
Ich hörte, wie einer der Retter in Gedanken zum anderen sagte, daß das Gehirn so stark eingedrückt sei, daß es keine Wiederkehr ins Erdenleben mehr gäbe. Nach wenigen Minuten starb die junge Frau dann auch. Daraufhin bedeckten die vier Jungen ihren Körper ganz mit Gebüsch.
Täglich ging einer der vier auf die Straße hinauf, um jemanden zu finden, der den Verunglückten Hilfe bringen könnte. Es schien eine Straße zu sein, auf der es nur wenig Verkehr gab. Die Wachtposten wechselten sich bei Tag und bei Nacht ab.
Zur Freude der vier Retter hatten die Kinder lange geschlafen. Plötzlich fing der vierjährige Alberto zu weinen an, worauf Antônio zu schreien begann. Er wollte die Mutter!
Gleich darauf zündete einer der Retter eine kleine, unscheinbare Kerze an, die auch an seinem breiten Gürtel hing. Die Kerze fing ganz langsam rot zu leuchten an. Die Kinder beruhigten sich, denn das rote Leuchten wurde immer stärker. Inzwischen befestigten zwei der Tock-Tocks an den größeren gurkenförmigen Gefäßen kleine Schläuchlein und pumpten den Kindern die lebensspendende Flüssigkeit ein, die diese fast unbewußt schluckten, während der andere Tock-Tock eine liebliche Flötenmusik spielte.
Als die Kinder genug getrunken hatten, wurde ersichtlich, daß sie wieder langsam müde wurden. Doch Alberto, der sich bereits hingelegt hatte, setzte sich wieder auf und lachte, während er mit seinen Ärmchen auf die vielen in die Jacken eingestickten Tierchen zeigte, die sich auf einmal zu bewegen schienen. Die Kinder faßten danach, um sie zu fangen. Die Retter gaben ihnen rasch zwei Pelzhäschen in die Hände und legten die Kinder wieder ordentlich auf ihre Mäntel und Kissen, worauf sie nach kurzer Zeit abermals einschliefen.
Während die Kinder schliefen, untersuchten die Tock-Tocks die Verletzungen und Abschürfungen an den Kinderkörpern. Zum Glück waren sie nicht gefährlich.
Inzwischen waren zweieinhalb Tage vergangen. Den Tock-Tocks gab ich zu verstehen, daß ich jetzt oben auf der Straße aufpassen würde. Sie sollten nur gut die Kinder versorgen. Die vier wesenhaften Retter hatten nur den einen Wunsch, die Kinder so lange bei Kräften zu erhalten, bis menschliche Hilfe kam.
Ihr Wunsch erfüllte sich rascher als sie hofften. Ein ungefähr zwölfjähriger Junge kam des Weges, und zwar gerade, als Alberto wieder zu weinen und zu schreien begann. Ich nahm ihn mit hinunter und zeigte ihm das Autounglück. Die vier Retter konnte er ja nicht sehen, da er zur grobstofflichen Erde gehörte.
Als ich ihm die tote Frau zeigte, rannte er sofort los und versprach, gleich Hilfe zu holen.
Es dauerte kaum eine Stunde, als ein Krankenwagen und noch andere Autos kamen. Der Arzt, der die Kinder in Empfang nahm, wunderte sich nicht wenig, daß die Kinder, die zweieinhalb Tage keine Nahrung und kein Wasser hatten, so gut beisammen waren. Außerdem verlangten die Kinder nach ihren Häschen. Der Arzt dachte an lebendige Häschen, aber nirgends war eines zu sehen. Die Kinder weinten während der ganzen Fahrt bis zum Krankenhaus um ihre Häschen. Die Mutter schienen sie vergessen zu haben.
Die Verwandten und Bekannten wußten von keinen Häschen, die obendrein noch rot geleuchtet haben sollten. Nach zwei Tagen konnten beide Kinder zu ihren Verwandten nach Hause entlassen werden.
Wie stets bei solchen eigenartigen Unfällen und Rettungen wurde den Kindern erzählt, daß sie ein Schutzengel gerettet hätte, denn sonst wären sie verhungert und tot. Der neunjährige Antônio sowie Alberto wollten von einem Schutzengel nichts hören.
»Wer hat Euch denn dann gerettet, wenn nicht ein Schutzengel?«
Die beiden schwiegen.
Alberto hätte am liebsten alles erzählt, doch Antônio hatte ihm, als sie im Krankenhaus aufwachten und im Moment niemand zugegen war, hoch und heilig schwören lassen, daß er kein Wort über ihre kleinen Retter, die vielen Tierchen, das rote Leuchten, das gute Wasser und süße Breichen sagen dürfe. Es dauerte eine ganze Weile, bis Alberto bereit war und endlich schwor.
»Du weißt, Alberto, was geschieht, wenn jemand sein Wort nicht hält oder seinen Schwur vergißt!«
Alberto nickte kleinlaut. Dann sagte er, daß sie Blutsbrüderschaft schließen könnten, damit Antônio wisse, daß er nie sein Wort oder seinen Schwur brechen würde.
»Wir zwei brauchen das nicht, das ist nur für die Schwachen!«
Alberto war es nur zu recht. Er hatte etwas Angst, sich die Haut aufzuschneiden, damit ein Tropfen Blut heraus käme. Deshalb richtete er sich im Bett auf und sagte: »Wir sind stark!«
In dem Moment kam gerade ein Arzt herein, der auch die Kinder sehen wollte.
»Ihr seht aus, als hättet Ihr gut gegessen.«
Keiner von beiden gab eine Antwort. Sie ließen sich geduldig auch von diesem unbekannten Arzt untersuchen.
Nun kommen wir zu den Schutzengeln, von welchen die Menschen sprechen, wenn ein Kind auf außergewöhnliche Weise gerettet wird. Soviel ich weiß, hatte einmal ein junges Mädchen einen Engel gesehen; es war Maria von Nazareth, als sie die Verkündung über Jesus bekam.
Sie sah bildlich die Erscheinung des Engels, der zu ihrem Geiste sprach!
Das war ein Einzelfall! Sie hatte wohl eine Vision, aber sie sah nicht den Engel selbst. Das ist ein großer Unterschied. Nach den Schöpfungsgesetzen ist es ganz unmöglich, daß Engel von dem ferngelegenen Himmelreich herabkommen können. Kein Mensch kann sich eine Vorstellung machen, wie unendlich weit entfernt wir vom Paradies sind. Und die Engel leben nicht einmal im Paradies; ihre Heimat befindet sich noch weit, weit über dem Paradies der Menschen.
Es ist wahr, daß im Laufe der Zeit bis an Wunder grenzende Kinder-Rettungen vorgekommen sind, auf der ganzen Erde.
Doch es waren immer gute Kinder, solche, deren Seelen nicht durch frühere Erdenleben schwer belastet waren. Und davon gibt es heute nur sehr wenige.
In diesem Fall wurden die Kinder von vier »Zwergen« gerettet. Wir nennen sie Zwerge, da die Menschen heute nichts mehr von dem großen wesenhaften Volk wissen, das die Erde und sämtliche Gestirne erbaute.
Die vier Zwerge gehören in Wirklichkeit zur Rettungsmannschaft, welche Kindern helfen, die es noch wert sind. Diese vier hatten alles getan, um die Kinder gut zu ernähren und bei rechter Stimmung zu halten.
Diese Zwerge, sie werden auch Tock-Tocks genannt, haben an einem breiten Gürtel, der mit einer festen Schnalle geschlossen wird, alles hängen, was zu einer Rettung notwendig ist. Sie sind nicht größer als ein Meter und haben schöne, ebenmäßige Gesichter. Ihre Augen sind so eigenartig schön, daß es kaum möglich ist, sie zu beschreiben.
Aus diesen Augen strahlt stets die Freude. Diese Freude ist ihr Dank, daß sie in der herrlichen Schöpfung leben und arbeiten dürfen.
Zum Schluß sei hier noch gesagt, daß die vier Retter mit der ihnen in solchen Fällen zur Verfügung stehenden Erdkraft alles taten, um das Autowrack in eine bessere Position zu bringen. Alles lag schief. Sie mußten doch für die Kinder eine einigermaßen horizontale Unterlage schaffen, damit die Kleinen bequem liegen konnten.
Die vier Retter leben mit anderen Wesenheiten verschiedenster Arten in der zweiten und dritten Grobstofflichkeit; während wir Menschen in der ersten, der gröbsten Stofflichkeit leben.
Ich wünsche von ganzem Herzen, daß es noch einige Menschen gibt, die nicht zu denen gehören, die aus dem Erdplaneten ein Jammertal gemacht haben.
Die Beschreibung dieser außerordentlichen Begebenheit war mir möglich, weil ich allem Vorgekommenen in der feineren Stofflichkeit beigewohnt habe. Die Namen habe ich geändert.
☀️Roselis von Sass☀️
Jeder Mensch bestimmt sein Schicksal selbst